Eklat
oder Zukunft
Interview mit Frieder Rusmann anläßlich
"DAS DEUTSCHE HANDWERK - Vitrine 11"
Klettpassage Stuttgart, 1995
i: Herr Rusmann, es fällt auf,
daß Sie, als Mitglied DES DEUTSCHEN HANDWERKs, bei dieser Vitrinenarbeit
nicht präsent sind.
Rusmann: Das ist richtig, ich lehne
diese kunstverbrämte Vitrine zutiefst ab.
i: Widerspricht diese Vitrinenarbeit
Ihrem künstlerischen Verständnis?
Rusmann: Nein, künstlerisch
kann diese Präsentation wohl bestehen, kunsttheoretisch betrachtet
halte ich sie jedoch für äußerst fragwürdig. Meiner
Meinung nach kann Kunst heute nur über den Diskurs bestehen, und die
Grundlage dieses Diskurses ist eine Vereinbarung derjenigen Teilnehmer,
die fähig und bereit sind daran teilzunehmen. Der erweiterte Kunstbegriff
war und ist doch Blödsinn.
i: Das mag richtig sein, aber wie
ist das konkret zu verstehen?
Rusmann: DAS DEUTSCHE HANDWERK
begibt sich hier in eine Art von Öffentlichkeit, die ich nie suchen
würde, es prostituiert sich gewissermaßen und das auch noch
umsonst - im doppelten Sinne! Überwiegend werden irgendwelche Menschen
auf irgendeinem Weg irgendwohin hier vorbeihasten, und - insoweit sie diese
Vitrine überhaupt als "künstlich" bemerken -wird sich nicht mehr
als ein vorreflexives Staunen oder Ärgern, bestenfalls, ereignen.
Diskurs- und damit quasi satisfaktionsfähig sind diese Zufallsbetrachter
im überwiegenden Falle nicht.
i: Verstehe ich Sie richtig, daß
Ihrer Ansicht nach sich Kunst nur an "institutionalisierten" Plätzen
wie Galerien und Museen ereignen kann?
Rusmann: Das ist keine Ansicht,
sondern Überzeugung und Wissen.
i: Wird es wegen dieser Vitrine im
DEUTSCHEN HANDWERK zum Eklat kommen, werden Sie es verlassen?
Rusmann: Wie sie aus meiner Bereitschaft
dieses Interview hier aufhängen zu lassen, wohl schließen können,
bleibe ich weiter Mitglied dieser Gruppierung. Ich bin im aktuellen Fall
einfach die Antithese. DAS DEUTSCHE HANDWERK hatte schon immer auch einen
"Binnen"-Diskurs und war schon immer zur Dialektik fähig. Eine Fähigkeit,
die nebenbei ohne Not viele Intellektuelle, nach der bekannten politischen
Umwälzung, verloren haben.
i: Herr Rusmann, was sind die nächsten
Projekte des DEUTSCHEN HANDWERKs?
Rusmann: Darüber werden wir
streiten.
Das Interview mit Frieder Rusmann führte
Johannes Auer
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