johannes auer | beat suter

:: kommentierte links zu hypertext und hyperfiction ::






Literatur (Texte) online:

Link-Sammlungen (dt. und int.)

Carpe – literatur online: Ein Literaturportal von Oliver Gassner. Keimzelle und Ausgangspunkt dieses Projektes ist [OLLi] - eine umfangreiche, kommentierte Linksammlung zur deutschsprachigen Literatur im Internet, die wohl erste ihrer Art. [Olli] wurde 1997 beim 2. Internetliteraturpreis der Zeit und IBM mit dem silbernen Pegasus ausgezeichnet. Heute umfaßt die Carpe-Website Services wie carpe librum, eine Sammlung von rund 2000 Buchrezensionen und versammelt unter aleXana weitere wichtige Linklisten wie die Bibliomaniac List von Markus Kolbeck.

Die Bibliomaniac List ist das Produkt einer geradezu manischen Sammelleidenschaft des Buchliebhabers Markus Kolbeck. Mehrere 1000 Links zu deutschsprachigen literarischen Quellen im Internet hat er zusammengetragen: Ressourcen zu Autoren, zu Volltexten und literarischen Projekten, zu literarischen Institutionen, zu Buchhandel und Antiquariaten - kurz eine unausschöpfbare Quelle für den literarisch Interessierten und den Bücherfreund. Leider geht die Größe des Projektes etwas zu Lasten der Übersichtlichkeit. Abhilfe schafft die Suchmaschine auf Carpe, in der die "Bibliomaniac List" mitindiziert ist. Markus Kolbeck hat sich bedauerlicher Weise aus seinem Projekt zurückgezogen. Die Aktualisierung und weitere Pflege liegt jetzt bei Oliver Gassner.

Auf netzliteratur.net, einer Webseite von Johannes Auer findet sich alles wichtige zur Netzliteratur: Übersichten über die wichtigsten Projekte ebenso wie weiterführende Online-Quellen. Eine umfangreiche Sammlung eigner und fremder Aufsätze und Essays rundet das Ganze ab. Großes Zusatzplus: hier wird monatlich aktualisiert.

Reinhard Kaiser: Literarische Spaziergänge im Internet. 1996 machte sich der Schriftsteller Reinhard Kaiser auf, um herauszufinden, was das Internet dem literarisch Interessierten zu bieten hat. Dabei heraus kam das sorgfältig recherchierte und gut zu lesende Buch "Literarische Spaziergänge im Internet, Bücher und Bibliotheken online", das mittlerweile in der 2. Auflage vorliegt. Über das Adressverzeichnis auf der Website des Eichborn Verlages sind alle Internetfunde von Reinhard Kaiser zugänglich.

Fachinformation Germanistik: Was Doris Eh, Barbara König und Ulrich Goerdten, wissenschaftlichen Referentinnen und Referenten der Universitätsbibliothek FU Berlin, hier zusammengetragen und kommentiert haben, sind unentbehrliche Hilfsmittel und Referenzseiten für Literaturwissenschaftler. Verweise zu wichtigen Bibliographien, Nachschlagewerken und Linksammlungen im Internet sind hier ebenso zu finden wie eine umfangreiche Sammlung zu biographischen und sonstigen Informationen zu deutschsprachigen Autorinnen und Autoren. Kurz, eine hochfunktionale Seite frei von jeglichen Designansprüchen. Eine ähnlich konzipierte und empfehlenswerte Website stammt von Hartmut Schönherr, dem Mitautor des Buches "Internet für Germanisten - Eine praxisorientierte Einführung".

Volltexte (dt.)

Projekt Gutenberg – DE: Die wohl bekannteste und größte Sammlung an deutschsprachigen literarischen Volltexten wurde 1994 von Gunter Hille als "Freizeitprojekt" begonnen und lebt vom unentgeltlichen Engagement von Literaturbegeisterten, die bereit sind, urheberrechtsfreie Werke (in der Regel also von Autoren, die vor mindestens 70 Jahren verstorben sind) abzutippen oder einzuscannen. Das so entstandene Archiv umfaßt mittlerweile mehr als 350 deutschsprachige Texte im Äquivalent von mehr als 175 000 Buchseiten.

Das Projekt Freiburger Anthologie beinhaltet die wichtigsten literarischen Texte der Klassikerzeit (1720-1900).

Literaturlinks von Helmut Schulze. Über 36 000 Links zu Online-Texten deutschsprachiger Literatur hat Schulze mittlerweile zusammengetragen und damit die umfangreichste Referenzseite zu deutschsprachigen Volltexten im Internet geschaffen. Gegliedert ist sie nach Autoren von A bis Z. Auf einer weiteren Seite sind Verweise zu Texten von ins deutsche übersetzten Autoren gesammelt. Für den englischsprachigen Raum leistet vergleichbares die On-Line Books Page der Bibliothek der University of Pennsylvania.

Die Textgalerie war ein ambitioniertes Projekt von Dirk Schröder und Claudia Klinger. Sie wurde im Dezember 2003 leider eingestellt.



Lyrik online

Projekte

Poetron4G Günters Genialer Gedicht Generator ist ein Klassiker unter den dichtenden Computern im Web. Man kann Wortvorgaben machen, die der "Generator" in die Gedichte einarbeitet und deren Qualität er kommentiert. Poetron4G dichten zu lassen, ist ein vergnügliches Spiel.

Volltexte (dt.)

lyrikline: Für alle, die Gedichte nicht nur lesen, sondern auch hören wollen. Elke Erb und Gerhard Falkner haben eine anspruchsvolle Sammlung von Werken zeitgenössischer Lyriker zusammengestellt. Jedes Gedicht kann auch als Tondokument, gelesen vom Autor, abgerufen werden.

Eine wirklich systematische und umfangreiche Sammlung an deutschsprachigen Gedichten im Volltext fehlt bisher im Netz. Empfehlenswert bis dahin ist die "willkürliche Auswahl deutscher Gedichte" von Magnus Müller. Schon der Name zeigt, dass hier weniger Systematik denn das Engagement für die Sache im Vordergrund steht. Was Müller, inspiriert von der Idee des Projektes Gutenberg, an Volltexten zusammengetragen hat, ist dennoch beachtlich und lohnt den Besuch. Außerdem empfehlenswert die Sammlung auf gedichte.com und die Freiburger Anthologie.

The Lied and Song Texts Page wurde 1995 von der Informatikerin Emily Ezust begonnen und ist mittlerweile zu einem respektablen und umfangreichen Archiv angewachsen, das rund 14 000 Liedtexte enthält, davon 5 200 deutschsprachige. Sortiert wird wahlweise nach Titel oder "erster Zeile". Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Kunstliedern.

Bei aphorismen.de kann man komfortabel nach Thema, enthaltenem Wort oder Autor in einem 22 500 Texten umfassenden Aphorismen- und Zitatenschatz suchen.



Hypertext

Projekte

Xanadu: Ein Projekt von Ted Nelson. Die Xanadu Australia Website enthält zahlreiche Materialien zum originalen Projekt von Ted Nelson. Xanadu ist ein Hypertext- und interaktives Multimedia-System, das seit 1960 in Entwicklung ist. Die heutigen Systeme wie das WWW stützen sich auf Ideen von Xanadu. Nelson wollte aber mit seinem System mehr: Er suchte nach einem Weg, Informationen nicht als individuelle Dateien, sondern als ständig sich weiter vernetzte Literatur zu speichern. Im Xanadu-Docuverse sollten alle Dokumente jederzeit zugänglich und veränderbar, aber zugleich geschützt sein und der jeweilig Autor sollte für jede virtuelle Kopie («Transclusion») seiner Information durch einen Leser eine Entschädigung erhalten. Das Prinzip des «Transcopyrights» konnte sich aber nicht durchsetzen und Nelsons Xanadu wurde von den Netzwerkentwicklungen in den 90er Jahren überrollt.

Memex and Beyond: Die Website «Memex and Beyond» ist die umfangreichste Liste von wissenschaftlichen und pädagogischen Webs, die sich mit der historischen und der gegenwärtigen Diskussion von Hypermedia befassen. Der Name wurde zu Ehren des 1945 von Vannevar Bush publizierten Artikels «As We May Think» gewählt, in welchem Bush auf dem Papier einen Hypertext-Motor entwarf, den er Memex nannte. Die Website umfasst grafische, räumliche und textuelle Repräsentationen der U.S. amerikanischen Hypermedia Community. Der Urheber der umfassenden Website, das «Science and Technology Center» der «National Science Foundation» ist ein Konsortium von fünf U.S. amerikanischen Universitäten: Brown University, CalTech, University of North Carolina, University of Utah und Cornell University.

Archive und Listen

Cyberspace, Hypertext and Critical Theory: Ein umfassendes Web von George P. Landow. Es enthält verschiedene miteinander verlinkte Indexe und Beschreibungen des an der Brown University verfassten Materials zum Thema Hypertext. Insgesamt umfasst das Web über 7000 Dokumente, die teilweise bis 1990 zurückreichen. Das gesamte Material war 1992 in Storyspace und 1995 schliesslich in html konvertiert worden. Das Web der Brown University ist eine Fundgrube für frühe theoretische Arbeiten, Definitionen, Ableitungen und Verweise zum Thema Hypertext und Literatur. Neben Hypertext werden aber auch verwandte Themen wie Cyberspace, digitale Kunst, Kritik, Cyborgs u.a. abgedeckt.

Voice of the Shuttle (VoS): Technology of Writing Page; Die Website von Alan Liu dient als eine unentbehrliche Quelle für seriöse Forschung auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschften. Ursprünglich war sie 1994 als interne Quellensammlung der University of California Santa Barbara gedacht. Seit 1995 ist sie im Netz und erfreut sich weltweit grosser Beliebtheit mit durchschnittlich 20'000 Anfragen pro Tag. VoS beeindruckt durch die Breite der erfassten Themen sowie durch die äusserst interessanten interdisziplinären Listen im Grenzbereich von Technologie, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften. Hypertext-Interessierte finden in der «Technology of Writing Page» eine ideale Quellenliste. Daneben überzeugen aber auch die «Cyberculture Page» sowie die «Science, Technology and Culture Page».

American Studies Web: Literature and Hypertext Resources: Das «American Studies Web» der Georgetown Universität in Washington D.C. bietet eine gute akademische Liste zum Thema, mit der sehr viel bibliografisches Material aufgespürt werden kann. Die 1994 von David Philips initiierte Liste konzentriert sich auf die Referenzierung der akademischen Forschung im Bereich Hypertext und Hyperfiction. Danach wurde sie von Crossroads, einem Projekt des englischen Seminars an der Georgetown Universität, betreut. Die Website ist nur noch in einer Kopie auf archive.org (Stand 2000) zugänglich .

Postmodern Theory, Culture Studies and Hypertext: Die persönliche Liste von Tom Goldpaugh befasst sich mit Hypertext-Theorien, Hyperfictions und Theorien der Postmoderne. Sie schliesst auch zahlreiche Webseiten und Projekte ein, die nicht in akademischer Umgebung entstanden sind. Ende 2000 wurde die Site vollständig überarbeitet und neu in zwei Listen mit den Themen «Hypertext Theory and Sites» und «Postmodern, Cyber and Cultural Studies» aufgeteilt.

Hypertext and Hypermedia: A Select Bibliography: Eine umfassende Bibliografie des Bibliothekars Scott Stebelman von der George Washington Universität zum Thema Hypertext und Hypermedia, entstanden von 1986 bis 2000. Stebelmans Liste umfasst zahlreiche Aufsätze, Kursmaterialien und Verweise in verschiedenste Disziplinen (online und Print). Nach Stebelmans Pensionierung wird die Liste leider nicht mehr aktualisiert.



Hyperfiction

Link-Sammlungen (dt. und int.)

WWW Hyperfiction Liste Deutsch ist die erste, hervorragend kommentierte Liste zur deutschsprachigen Hyperfiction mit wissenschaftlichem Anspruch. Was Beat Suter hier gesichtet und bereitgestellt hat, ist nicht weniger als ein Korpus deutschsprachiger literarischer Hypertexte. Dieser Textkorpus war Grundlage seiner Dissertation "Hyperfiction und interaktive Narration im frühen Entwicklungsstadium zu einem Genre", die 2000 im Zürcher update Verlag erschien.

Hyperfiction//Netzliteratur: Diese Seite führt Primärwerke und deren Interpretation zusammen. Gelistet sind alle wichtigen deutschsprachigen Hyperfiction und einige ausgewählte fremdsprachige. Da bei den Einzelwerken im Internet verfügbaren Besprechungen und Materialien mitgelinkt sind, eignet sich diese Seite besonders für den Einstieg und die intensivere Auseinandersetzung mit dem neuen Genre. Eine umfangreiche Theorie- Seite listet zusätzlich weitere im Internet verfügbare Arbeiten und Essays zur Netzliteratur.

Hyperizons: Eine lange und sehr nützliche Quellenliste für "Hyperfictions" und diverse, thematisch unterschiedliche Veröffentlichungen zum Thema Hypertext. Shumate übernahm die Liste von Prentiss Riddle und baute sie sukzessive aus. Er setzte nichts auf seine Liste, was er nicht zuvor auf Herz und Nieren geprüft hatte. Leider datiert der letzte Eintrag der Liste vom 22. Juli 1997. Trotzdem ist Hyperizons noch immer die beste Referenzliste für amerikanische Hyperfictions sowie ein beinahe unerschöpflicher Fundus zur Hypertext-Diskussion.

Hipertulia von Susana Pajares Tosca, Universidad Complutense de Madrid, hat zwar zum Ziel Hypertext und Hyperfiction dem spanischsprachigen Publikum nahe zu bringen, ist aber aufgrund der reichhaltigen Verweise zu grundlegenden englischen Artikeln und Materialien auch für den nicht spanisch Sprechenden von Interesse.

Netzwissenschaft versucht einen Überblick über die "Internetforschung im Ganzen" zu schaffen. Hinter diesem ambitionierten und kenntnisreichen Projekt steht Reinhold Grether von der Universität Konstanz, der seit 1994 das Internet als Weltkulturmedium erforschte. 2003 hat Reinhold Grether die Inhalte seiner Website komplett gelöscht seit 11/2004 sind sie nun wieder verfügbar.

Zeitschriften

Telepolis - ist, obwohl ein Teil der Artikel auf englisch erscheint, "das" deutschsprachige Magazin der Netzkultur. Telepolis greift, intellektuell ambitioniert, aktuelle und über das Tagesgeschehen hinausreichende Debatten zu den Phänomenen der globalen Medien- und Netzkultur auf und ist zu einem gewichigen kulturellen Informationsknoten im Netz geworden.

Mailing-Listen

Die Mailingliste Netzliteratur wurde 1996 von Sven Stillich gegründet im Zusammenhang mit dem ersten Internet-Literaturpreis der ZEIT. Lange war diese Mailingliste die wichtigste deutschsprachige Diskussionplattform zu praktischen und theoretischen Fragen der digitalen Literatur. In letzter Zeit hat sie an Bedeutung verloren, insbesondere auch dadurch, dass sich die Literaturwissenschaft verstärkt der Erforschung und Begriffsklärung der Netzliteratur angenommen hat. Weitere praxisorientierte Möglichkeiten zum Austausch bietet die Mailingliste des Berliner Zimmers, das BlackInk Literaturboard sowie die Newsgroups de.etc.schreiben.lyrik und de.etc.schreiben.posa .

rohrpost ist die wichtigste deutschsprachige Mailingliste zur Medien- und Netzkultur: "rohrpost steht für einen kritischen medientheoretischen Diskurs und schafft Transparenz und Sichtbarkeit für Initiativen und Projekten, die es im deutschsprachigen Raum im Bereich von Medien- und Netzkultur gibt", so die Initiatoren Tilmann Baumgärtel und Andreas Broeckmann. rohrpost existiert seit 1999.



Hyperfictions weltweit

Projekte

Eastgate Systems: – Eastgate ist ein kommerzieller Verlag für «Hyperfiction» und Hypertext-Software, Eastgate Systems Inc. existiert seit 1987 und ist der Pionier in Sachen Hypertext-Literatur. Der Verlag aus Watertown in Massachusetts vertreibt eine grosse Auswahl englischsprachiger Hyperfictions – alle auf Diskette oder CD-ROM. Die Datenträger werden in Form einer Broschüre über das Internet verkauft. Durchschnittlich kostet eine Hyperfiction 20 U.S. Dollar. Auf der Website von Eastgate finden sich Textauszüge, Zusammenfassungen, Klappentexte und zahlreiche weitere Neuigkeiten, Informationen und Quellen zum Thema. Michael Joyce, Stuart Moulthrop, Shelley Jackson und J. Yellowlees Douglas sind alle Eastgate-Autoren. Das aussergewöhnliche Autorenprogramm Storyspace stammt ebenfalls von Eastgate Systems. Die aktuellsten News erhält man in der Sektion Hypertext Now. Eastgate ist ohne Zweifel die wichtigste Website für Hyperfiction- und Hypertext-Interessierte.

The Neverending Tale: Die nie endenden Geschichten von «Prescient Code Solutions» sind für Kinder gedacht und äusserst populär – auch bei Erwachsenen und Lehrern. Mittlerweile ist die Website auf 13 Geschichten angewachsen, die jeweils mehrere tausend Seiten aufweisen. Das Mitschreibeprojekt baut auf baumförmiger Geschichtenentwicklung auf und weist so ziemlich alle Märchen- und Sagenmotive auf, die man aus der Literatur kennt. «The Neverending Tale» ist das Paradebeispiel eines einfachen erfolgreichen Mitschreibeprojekts.

Robert Kendalls Word Circuits: – Robert Kendall ist ein Poet, der sich seit Jahren mit Hypertext und Multimedia auseinandersetzt und eigene Hypertexte im Web veröffentlicht. «This home page is part of my effort to help poetry and fiction make the transition from ink to pixels», schreibt Kendall. Die Website «Wordcircuits» ist aus seiner ursprünglichen Homepage entstanden und in den letzten Jahren stark angewachsen. Sie präsentiert heute eine Vielzahl von literarischen Hypertexten anderer Autoren sowie auch Kendalls eigene Texte. Neben elektronischen und ursprünglich gedruckten Gedichten finden sich theoretische Arbeiten über Literatur, Hypertext und Multimedia sowie Material zu Kendalls Online-Klassen zum Thema «Schreiben mit Hypertext».

Electronic Literature Organisation: Die ELO ist eine Vereinigung zur Förderung des Schreibens, Publizierens und Lesens von Literatur in elektronischen Medien. Die Website besteht erst seit 1999, ist aber bereits ungemein angewachsen und verzeichnet in ihren Datenbanken tonnenweise digitale Literatur verschiedenster Prägungen. Die einzelnen Arten elektronischer Literatur werden von der ELO wie folgt aufgetrennt: 1) Hypertext/ Other Interaction, 2) Recorded Reading/ Performance, 3) Animated Text, 4) Other Multimedia, 5) Generated Text, 6) Reader Collaboration. Der ELO gehören beinahe alle wichtigen Exponenten digitaler Literatur in den USA an. Leider sind nur wenige nicht-englischsprachige vertreten - und andere Sprachen werden auch bei den Texten praktisch nicht berücksichtigt.

Texte

Mark Amerika: Grammatron. Das umfangreiche Hyperfictionprojekt von Mark Amerika wurde oft gelobt in der Presse. Der Autor selbst bezeichnet seinen Text als «public domain narrative environment». Die Geschichte knüpft an Amerikas selbsternannten «Avant-Pop»-Erzählstil an und handelt vom Cyberspace, von Mystizismus, Parawährungen und virtuellem Sex in der Zukunft. Mehr als 1000 Texteinheiten sind mit über 2000 Links, Bildern und 40 Minuten Sound zu einem «Kunst-Stück» verwoben. Mark Amerika ist seit 1993 auch Herausgeber des Online-Lit-Magazins Alt-X.

David Blair: Waxweb 4.0: Waxweb ist ein experimenteller Web-Film von David Blair über einen spiritualistischen Filmemacher, der sich 1914 einer Expedition in die Antartktis anschloss und dort versucht, die Geister der Toten zu filmen. Ein Jahr später versucht er dasselbe auf dem Schlachtfeld in Yppern. Blair arbeitet seit 1994 an seinem Werk, das nun in englisch, französisch und japanisch vorliegt. Neben der Web-Version vertreibt Blair das gesamte Werk mit 90 Minuten Film auch auf CD-ROM.

John Cayley: Indra's Net or Holography. John Cayley arbeitet im Bereich der Maschinenpoesie und ihrer Visualisierung. Der Poet und Übersetzer, der zahlreiche Werke chinesischer Autoren verlegte, verwebt mystizistische Ideen mit Sprach- und Netzwerkexperimenten. Sein bekanntestes Werk ist «Book unbound». Er charakterisiert seine Werke selbst als «POtential LIterary OUtlawry». Autoren mit ähnlichen Konzepten wie Cayley sind: Jim Rosenberg und Eduardo Kac.

Michael Joyce: Twelve Blue. Joyces Hypertext ist sowohl in Storyspace als auch in einer freien HTML-Version auf dem Netz zu lesen. Das Epigramm macht die intertextuelle Beziehung zum Essay «On Being Blue» von William Gass deutlich. Der Text besteht aus 269 Links und 96 Texteinheiten. In der Netzversion kann man diese über zwölf farbige Fäden ansteuern. Die Texteinheiten selbst bieten jeweils weitere Links, um in die Geschichte zu springen. Leitendes Thema ist das Ertrinken einer Frau vor der Küste von Malibu, die sich im Seegras (Kelp) verfangen hat. Das Ertrinken wiederholt sich explizit und als mannigfaltige Metapher in den Beziehungen verschiedener Protagonisten von Twelve Blue. Weitere Texte von Michael Joyce erhält man auf seiner Homepage.

Olia Lialina: My boyfriend came back from the war. Olia Lialina arbeitet mit szenisch inszenierten Dialogen zwischen einzelnen Frames und verwendet dabei sowohl Bilder als auch Text. «My boyfriend came back from the war» war die erste Netzkunst-Arbeit Olia Lialinas und entstand 1996 unter Mitarbeit der russischen Künstler Leibov (Text) und Konstantinov (GIFs). Heute befindet sie sich bereits im «Museum». Lialina gilt als Netzkünstlerin. Ihre Experimente loten aus, wie man im Netz mit Filmen künstlerisch arbeiten kann. Weitere Projekte von Olia Lialina erschliesst ihre Homepage.

Stuart Moulthrop: Hegirascope. Die revidierte Version 2 (1997) von Moulthrops Hypertext-Fiction «Hegirascope» von 1995 enthält 175 Seiten, die mittels 700 Links erschlossen werden. Der Leser hat aber nur wenig Zeit, um eine Texteinheit zu lesen und sich für einen Link zu entscheiden, bevor der Default-Link zur nächsten Einheit aktiviert wird. Weitere Hyperfictions vom Autor von «Victory Garden» finden sich auf Moulthrops Homepage bei der University of Baltimore.

Geoff Ryman: 253, Geoff Rymans Hypertext-Roman, der schliesslich auch in Buchform veröffentlicht wurde, beschreibt eine Fahrt mit einer U-Bahn der Bakerloo-Linie in London von der Station «Embankment» zu «Elephant & Castle». Die Zahl 253 entspricht der Anzahl Menschen in den sieben Wagen dieser U-Bahn. Jeder Wagen enthält 36 Sitzplätze; das macht 252 Passagiere. Mit dem Fahrer sind das 253. Ryman beschreibt in seinem rigiden Hypertext jeden dieser Menschen und ihre Aktionen in exakt 253 Worten.

Theorie

Digital Arts and Culture Conference: Interdisziplinäre Konferenz, die von der University of Bergen, Norwegen ausging, 1997 zum ersten Mal durchgeführt wurde und mittlerweile in Zusammenarbeit mit der «Scholarly Technology Group, Brown University, Providence, Rhode Island» jährlich organisiert wird. «The conference aims to embrace and explore the cross-disciplinary and cross-cultural theory and practice of contemporary digital arts and culture.»



Hyperfictions deutsch

Projekte

bla – Webring zur Netzliteratur:Guido Grigats Webring existiert seit 1997 und sammelt in seiner Version 2.1 zurzeit 171 Websites zum Thema Netzliteratur. Mit sorgfältiger Auswahl der Sites gelang es Grigat aus bla eine Netzgemeinschaft zu formen, in der die Teilnehmer des Rings Kontakte nutzen und gemeinsame Projekte entwerfen.

cyberfiction.ch: Die «edition cyberfiction» ist die erste Edition von Hyperfictions in Deutsch. Die digitalen Texte werden vom update verlag Zürich auf CD-ROMs mit Buch-Cover im Buchhandel verkauft. Die Website enthält weiter eine Datenbank mit kommentierten und bibliografierten Links zu deutschsprachigen Hyperfictions sowie weitere Materialien, Essays und Verweise zum Thema.

Odysseen des Wissens: Heiko Idensens Projekt, eine Enzyklopädie online mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen zu erarbeiten. Gedacht als gemeinschaftliche Recherche-, Schreib-, Editier- und Kommentierungsprozesse, die verschränkt vorgehen sollten. Als Werkzeug dient dazu u.a. die kollaborative Schreibumgebung nic-las von René Bauer und Joachim Maier.

p0es1s: ist ein virtueller Ort für internationale Poesie im Bereich von Multimedia und Internet. Friedrich W. Block führte bereits in München und Kassel mit Hilfe von André Vallias reale Ausstellungen mit dem gleichnamigen Titel durch (s. Archiv). 2004 fand im Kulturforum am Potsdamer Platz, Berlin die international bisher wohl größte Austtellung zur digitalen Poesie statt.



Texte

Johannes Auer: «kill the poem» und andere «poem art». Johannes Auer und Reinhard Döhl führen frühere Experimente der konkreten Poesie und des Ready Made mit einem schönen Schuss Ironie weiter. Sie benützen dabei die reproduktiven und produktiven Möglichkeiten des Internets. Auer ist in der Kunstszene als Frieder Rusmann bekannt, der u.a. die Website Fabrikverkauf als Persiflage auf den E-Commerce-Hype kreierte.

Susanne Berkenheger: Hilfe! Ein Hypertext aus vier Kehlen ist der Untertitel der umfangreichen Hyperfiction. Susanne Berkenheger gewann mit einer früheren Version 1999 den Internet-Literaturpreis der Stadt Ettlingen. Die definitive Version 1.0 ist auch als CD-ROM in der «edition cyberfiction» zu erwerben. Vier aus dem Internet gebeamte Browserfensterchen huschen vor dem Leser über den Bildschirm, locken, umschmeicheln und verfluchen ihn. Es sind die vier Figuren des Textes, die in einem Dialog mit dem Leser die Geschichte entwickeln. Weitere Texte von Susanne Berkenheger finden sich auf ihrer Homepage «WarglaOuargla».

Bastian Böttcher:Looppool – ein Hyperpoetry-Clip ist ein Beispiel für die Grenzüberschreitung der Kunstgattungen. Böttcher kreiert einen interaktiven, dynamischen Rap in Form eines Gewebes aus Bahnen. Die Leserin erhält die Möglichkeit, den Rapsätzen nachzusurfen. Die Shockwave-Datei hat eine lange Ladezeit, es lohnt sich jedoch zu warten. Das surfbare Soundlabyrinth glänzt mit witzigen Rapsätzen. Es macht Spass mit der Tastatur den roten Rap-Ball in die gewünschten Windungen zu schicken und damit neue Satzkombinationen auszulösen. Interaktive Lyrik.

Florian Cramer: Permutationen. Cramer präsentiert auf seiner schlichten Website Textmaschinen aus verschiedenen Jahrhunderten. Kombinatorische Textspiele aus Antike, Barock und Moderne bildet er als Computerprogramme nach. Cramer versteht seine Projekte aber nicht als Historismus, sondern als Plädoyer für eine andere Poetik der Netzliteratur, die mit menschlicher und maschineller Sprachverarbeitung spielt.

Alvar Freude und Dragan Espenschied:Assoziations-Blaster. Das interaktive Textnetzwerkprojekt ist ein selbstreferentielles Paradebeispiel. Alle eingetragenen Texte verlinken sich automatisch miteinander nach den bereits vorhandenen Stichworten. Hinter dem Textnetzwerk steckt eine riesige Datenbank, die eine Liste von Stichworten verwaltet sowie die dazugehörigen Texte der Autoren, die diesen Stichworten zugeordnet wurden. Damit genügend und immer wieder neue Texte vorhanden sind, muss jeder Leser aber zuerst zum Schreiber werden, bevor er weitere Texte lesen darf.

Guido Grigat: 23:40 – Das Gedächtnis. 23:40 ist ein ungewöhnliches Projekt, denn es ist zugleich interaktiv wie auch sehr restriktiv. Es geht um das Lesen und Schreiben von Erinnerungen. Jede Minute eines Tages kann einen Eintrag in Form eines Textes eines Lesers erhalten. Dieser Text soll womöglich auf genau diese Minute bzw. ein Ereignis in dieser Minute referenzieren. Lesen jedoch kann der Besucher der Website lediglich jenen Text, der genau der Minute entspricht, die gerade läuft.

Thomas Hettche u.a.: Null: Die Anthologie NULL wurde in den Medien als ein «Mammutprojekt der Netzliteratur» angepriesen, doch einmal mehr wurde das Netz lediglich zur Promotion eines Print-Produkts verwendet. Literatur einfach deswegen Netzliteratur zu nennen, weil sie im Netz vorliegt, zeugt vor allem von Ignoranz.

Heiko Idensen und  Matthias Krohn: Imaginäre Bibliothek. Idensen und Krohn wollten einen Prototyp für den Umgang mit elektronischen Textfragmenten kreieren, der auf der Oberfläche eines Hypertetxprogramms verschiedene literarische Experimentalformen (Permutationen, Cut-Up, Visuelle Poesie etc.) realisiert. Sie transformierten die reale Rund-Bibliotheksinstallation der Ars Electronica 1990 vier Jahre später ins World Wide Web. Es entstand eine Online-Bibliothek mit 460 Hypertetxtknoten und 2635 Hyperlinks. Das Ziel war, den Benutzer durch verzweigtes assoziatives Lesen und Navigieren in ein Netzwerk aus Texten zu verstricken und seine Beteiligung am Imaginationsraum Bibliothek zu simulieren. Die imaginäre Bibliothek war eines der ersten literarischen Hypertextprojekte in deutscher Sprache.

Kieninger, Auer, Döhl u.a.: TanGo. TanGo ist eine Einladung zum Tanztee bzw. ein Mitschreibeprojekt von Martina Kieninger, Johannes Auer und Reinhard Döhl unter Beteiligung verschiedener anderer Autorinnen und Autoren. Kieninger lebt in Montevideo, Uruguay, Auer und Döhl in Stuttgart; die Texte existieren auf spanisch wie auf deutsch. Der Untertitel «Schwäbisch, spanisch – und zurück» weist auf diesen Umstand hin, der inhaltlich thematisiert wird: als Kontrast zweier unterschiedlicher Welten. TanGo ist ein leichtfüssiges, rhythmisches manchmal witziges Mehrautorenprojekt.

Frank Klötgen, Dirk Günther: Die Aaleskorte. Die Aaleskorte der Ölig ist ein Bilderdrama in 20 Szenen. Gespielt wird es von einem Schauspielerensemble aus zwei Schauspielern, einer Schauspielerin, einem Aal und dem Kinderchor. Der Leser soll die Regie übernehmen. Mittelpunkt ist ein Festmahl, bei welchem der Aal verspiesen werden soll. Mittels kurzer Regieanweisungen entscheidet der zum Regisseur mutierte Leser, was er sehen will. Am Ende laufen die Szenen als Film ab. Nie wird die Geschichte gleich sein, denn sie enthält insgesamt über 9 Milliarden Kombinationsmöglichkeiten.

Norman Ohler: Die Quotenmaschine war vermutlich der erste Hypertext-Roman in deutscher Sprache, der auf dem World Wide Web abgelegt wurde. Seit dem Druck des Textes 1995 ist im Netz lediglich eine Werbe-Site für das Buch zu finden mit einer Mini-Version des Krimis. Die Handlung: Der stumme Detektiv Maxx Rutenberg bewohnt ein Abbruchhaus am Ufer des Hudsons in Hoboken. Auf der anderen Flusseite: Manhattan. Maxx schreibt die Geschichte seines früheren Lebens in sein Powerbook und kommuniziert nur noch per E-Mail. Sein einziger Fall: ein Mord, den er selbst begangen hat.


Theorie

dichtung digital: Roberto Simanowski brachte im Juni 1999 die erste Nummer des Online-Magazins heraus, das sich aus literaturwissenschaftlicher Sicht mit Netzliteratur bzw. digitaler Literatur auseinandersetzt. Dichtung digital versucht stets die aktuellen Diskussionen aufzunehmen und dient mittlerweile der kleinen wissenschaftlichen Gemeinschaft als wichtiges Gefäss, in dem Tagungen und Veranstaltungen verarbeitet werden, Theorien verbreitet und Besprechungen einzelner Texte veröffentlicht werden. Seit 2002 ist das Archiv kostenpflichtig.

Netzliteratur Theorie: Eine hervorragende Liste mit deutschsprachigen Essays zum Thema Hyperfiction. Johannes Auer hat eine Liste von gegen 150 Aufsätzen und Bibliografien zusammengetragen, die stets auf dem neuesten Stand gehalten wird. Eine grosse Anzahl der Aufsätze sind mittlerweile im kostenfreien Archiv von netzliteratur.net dauerhaft zugänglich gemacht.




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